Interviews
Interview mit Ben von Biffy Clyro
Interview mit Ben von Biffy Clyro
Seit Puzzle hat sich für die drei sympathischen Schotten von Biffy Clyro einiges verändert. US-Supportshows für Linkin Park, ausverkaufte Headlinertourneen und mit der Single „Mountains” schlichen die Biffys sich sogar als Hintergrundmusik von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (sic!)in die deutsche Vorabendsoaplandschaft ein. Auch vor dem Gig im Kölner Gebäude 9 herrschte ein riesiger Andrang der Musikpresse. Drummer Ben Johnston ließ der Promostress aber völlig kalt, gut gelaunt bemalte er den Ork und stand Rede und Antwort.
GETADDICTED: Ihr seid vor wenigen Tagen aus Australien nach Europa zurückgekehrt. Die größten Unterschiede?
Ben: Vorneweg, das Wetter!!!!! Wir haben uns recht schnell an das australische Wetter gewöhnt, kamen dann hier in Shorts und T-Shirts aus dem Flugzeug und waren recht geschockt. Aber es war eine tolle Erfahrung. Die Gigs in Australien waren großartig, wir haben vor mehr Leuten als erwartet gespielt. Jetzt sind wir hier und alle Deutschlandshows sind ausverkauft! Die Leute gehen voll ab, singen bei den Konzerten mit deutschem Akzent mit - das klingt sowas von cool.
Ben über Australien
GETADDICTED: Wart Ihr zum ersten Mal down under?
Ben: Wir waren schon letztes Jahr im April einmal für drei Shows in Australien, diesmal waren es vier Gigs. Ein tolles Land, in dem man sicherlich noch viel mehr Zeit verbringen kann.
GETADDICTED: Seit Ihr per Flugzeug oder mit dem Bus von Konzert zu Konzert gereist?
Ben: Du musst fliegen. Die Distanzen sind einfach viel zu groß, um zu fahren. Und wenn man am falschen Ort liegen bleibt, kann man in äußerst beschissene Situationen kommen.
GETADDICTED: Du siehst leicht verbrannt aus....
Ben: Ich hab mir direkt am ersten Tag hier und hier einen Sonnenbrand eingefangen. Ich hatte mich zum Mittagessen nach draußen gesetzt. Danach bin ich nur noch drinnen geblieben, weil meine bleiche, schottische Haut die Sonne einfach nicht verträgt.
GETADDICTED: Gab es irgendwelche Highlights?
Ben: Wir durften zu den australischen MTV Music Awards. Das war verdammt cool, viele Stars, viele wirklich unglaublich gut aussehende Frauen, ich hoffe, meine Freundin liest das nicht. Das war schon was spezielles, die Music Awards sind einer der größten Musikevents der Welt, und wir haben dort eine Art Backstage-Akustik-Set gespielt.
GETADDICTED: Überall, wo Ihr auftaucht, stoßt Ihr auf großes Interesse, sowohl von Fans, als auch von den Medien. Was hat sich seit dem Release von „Puzzle“ verändert?
Ben: Puzzle hat sich in Großbritannien überraschend gut verkauft, und wenn es ein Album in die Charts schafft, schwappt das Ganze leichter aufs europäische Festland hinüber. Mit einem Platz 2 in GB bekommt man automatisch auch hier neue Hörer. Zusätzlich kriegen die Vorgängeralbum dann noch ein wenig Beachtung, wir hatten ein paar Singles. All dies trägt dazu bei, dass das Ganze ins Rollen kommt. Unsere letzte Deutschlandtour zum Beispiel war für uns schon ein tolles Erlebnis, aber dieses Mal ist es schon beinah wie in GB. Es ist verdammt cool....
GETADDICTED: „Puzzle“ ist nun beinah zwei Jahre alt. Wirst Du der Songs langsam überdrüssig?
Ben: Nein, ganz und gar nicht. Wir spielen ja auch Songs von unserem Debüt „Blackened Sky“, heute abend zum Beispiel zwei, nein sogar drei, und auch die machen mir jedes Mal Spaß. Die Songs bekommen jeden Abend ihren eigenen Charakter, die verschiedenen Konzerthallen, die unterschiedlichen Reaktionen, die man bekommt. All dies macht es immer wieder aufs Neue spannend. Unser altes Material hängt mir also nicht aus den Ohren raus, und beim „Puzzle“-Material ist es erst recht nicht der Fall.
Biffy Clyro bei MTV
GETADDICTED: Eine Band muss trotzdem immer nach vorne blicken. Was haben Biffy Clyro parat?
Ben: Wir haben viel vor, denn wir bringen dieses Jahr noch ein neues Album raus, Einen Song davon, „That Golden Rule”, oder auch TGR genannt, werden wir heute Abend spielen. Das Album ist so gut wie geschrieben, wir haben beinahe 20 Songs fertig und werden diese in L.A. im nächsten Monat aufnehmen.
GETADDICTED: Gibt es schon einen Arbeitstitel für das Album?
Ben: Nicht wirklich, zumindestens nichts, was ich jetzt offiziell bekannt geben möchte. Wir haben ein paar Ideen, haben uns aber noch nicht endgültig entschieden. Ich möchte jetzt auch nichts falsches behaupten, da müsst Ihr Euch leider noch gedulden.
GETADDICTED: Zeichnet sich ab, in welche Richtung das Material gehen wird?
Ben: Ich würde zum jetzigen Zeitpunkt sagen, dass es schon ein bisschen härter werden wird. TGR zum Beispiel ist schon ziemlich heavy, von der Gangart haben wir ein paar im Gepäck. Ein paar sind ein wenig softer, wir probieren immer, eine Fülle an Stilrichtungen auf ein Album zu bringen, un das soll auch diesmal so sein. Viele Leute fragen uns, „Wird es wie Mountains?” oder „Probiert Ihr, zurück zu den Wurzeln zu gehen?”. Es wird einfach typisch Biffy Clyro.
GETADDICTED: Wie ist es, mit Deinem Bruder in einer Band zu spielen?
Ben: Es ist cool, definitiv. Aber die Frage ist auch ein wenig verrückt, da ich niemals in einer Band gespielt habe, in der James nicht Mitglied war. Für mich ist es halt normal, da ich nichts anderes kenne. Wir sind sowieso beste Freunde, und es ist cool, mit einem klasse Typen zusammen die Rhythmusfraktion zu bilden.
Die Musiker-Familie
GETADDICTED: Seid Ihr als Musiker erzogen worden? Tragen Eure Eltern da eine Mitschuld?
Ben: Definitiv, mein Vater ist leidenschaftlicher Gitarrist und spielt seit kurzem auch als Bassist in einer Band, in der allesamt wesentlich jünger als er sind. Zuhause lagen früher immer eine Menge Gitarren rum. Mit dem Schlagzeug sahs da anders aus. Ich durfte lange Zeit kein Drumkit haben, da Schlagzeug ein so lautes Instrument ist und meine Eltern nicht dachten, dass ich dabei bleiben würde. Mit 14 bekam ich dann endlich eins.
GETADDICTED: Wolltest Du schon immer Drummer sein, oder gab es Streit darum, wer welches Instrument übernimmt?
Ben: Ich konnte ja ebenso wie James zuerst Gitarre spielen und als ich dann mein Schlagzeug bekam, haben wir das auch beide gelernt. Ich war wohl ein bisschen besser darin als er. Ich wollte schon immer Drummer sein, hatte zwar nie Unterricht, aber wusste, dass das meine Bestimmung ist.
GETADDICTED: Wenn Du schon weißt, wie es geht, bist Du auch ins Songwriting für Biffy Clyro involviert?
Ben: Nicht wirklich, Simon übernimmt das größtenteils. Wir leben in unterschiedlichen Städten, Simon schreibt die Songs meist auf der Akustikgitarre und trägt uns seine Ideen dann im Proberaum vor. Und dann gehen wir halt zu dritt dran, bringen alle unsere Ideen ein, schmeißen dies oder das noch einmal komplett über den Haufen, oder manchmal lassen wir die Songs einfach so wie sie sind.
GETADDICTED: War gleichzeitiges Schlagzeugspielen und Singen für Dich eine große Hürde?
Ben: Gar nicht. Letztendlich ist es genauso, wie beim Gitarrespielen. Du spielst erst so lange, bis du den Song problemlos beherrscht und dann singt man halt dazu. Dein Körper macht das eine, deine Stimme das andere. Das einzige Problem ist, dass man durch den Körpereinsatz schnell rumeiert.
GETADDICTED: Du hast vorhin deine Freundin erwähnt? Wie sieht das familiäre Leben bei Biffy Clyro aus?
Ben: Meine Freundin und ich haben einen neunjährigen Sohn namens Ross. Und ich hab eine Katze. Simon ist verheiratet und James hat auch eine Freundin. Wir haben also alle unsere liebsten, wenn wir nach Hause kommen.
GETADDICTED: Wie bleibst Du mit Deiner Familie in Kontakt?
Ben: Skype! Skype sichert einem die Beziehung. Eine großartige Erfindung. Wenn man täglich telefoniert hört man sich zwar, aber durch Skype sieht man sich, es ist viel viel persönlicher.
GETADDICTED: War Ross schon einmal mit auf Tour?
Ben: Nein, ja nicht. Er muss zur Schule gehen und außerdem ist er viel zu unschuldig für das ganze Tourleben.
GETADDICTED: Ist er stolz auf seinen Vater?
Ben: Ja, er geht in Biffy-Clyro-Montur zur Schule. Armbänder, Shirts und prahlt, dass sein Dad ein cooler Musiker ist.
GETADDICTED: Erziehst Du Ihn zum Musiker
Ben: Ich probiere es. Er ist, wie gesagt, noch sehr jung und ich bin sehr ungeduldig, wenn es um Drumming geht. Im Grunde genommen bin ich ein beschissener Lehrer, was wohl daran liegt,dass ich niemals selber Unterricht bekommen hab. Ich wusste damals halt einfach irgendwie, was ich machen muss. Ich glaube, mein Sohn hat diese natürliche Begabung an den Drums nicht, mal schauen was passiert, vielleicht wird er besser, wenn er älter wird.
Ben is addicted to...
GETADDICTED: Deine Süchte?
Ben: Ich bin süchtig nach meiner Playstation. Es ist schon recht armselig für einen erwachsenen Mann von 29 Jahren, zwei Stunden am Tag vor der Playstation zu hocken. Es ist eine lächerliche Sucht, aber die Spiele sind so großartig, ich kann nicht anders. Viel mehr Spaß als ein Buch zu lesen.
GETADDICTED: Und du ziehst deine Bandkollegen in welchen spielen ab?
Ben: Im Moment, Golf, Tiger Woods. Darin bin ich verdammt großartig. Pro Evolution Soccer spielen wir auch ne Menge. Und wenn ich zuhause mit meinem Sohn daddel, spielen wir meistens Ballerspiele.
GETADDICTED: Dein Wunschfestival mit Biffy Clyro als Headliner?
Ben: Nirvana stehen da auf der Liste, weil ich sie leider nie sehen konnte. Ich hatte Tickets für die letzte Tour, bevor Kurt starb. Pearl Jam hab ich auch noch nie gesehen, also müssen die auch ran. Dann noch Karate aus Boston, eine meiner Lieblingsbands aller Zeiten. Und letztendlich eine Wiedervereinigung von Ben Folds Five.
Mixtape für seinen Sohn
GETADDICTED: Ein 5-Song-Mixtape für deinen Sohn, welches Du ihm gibst, bevor Du auf Tour gehst!
Ben: Haha, er hört leider ziemlich beschissene Musik. Er mag Egley & Hartley und die Jonas Brothers und diesen ganzen Scheiß, ich hasse diese Musik verdammt noch mal. Wenn ich ihm was geben müsste, wahrscheinlich was von Biffy Clyro. Er hört sich immer unsere Musik an, also fünf Biffy-Clyro-Songs! Er steht noch nicht auf den ganzen heavy Kram. Er hört auch noch Guns’n’Roses. Also Biffy Clyro, Guns’n’Roses und vielleicht noch ein wenig Nirvana.
GETADDICTED: Hast Du einen Lieblings-Biffy-Clyro Song?
Ben: Nicht einen, ich hab viele. Einer ist unmöglich, dafür haben wir viel zu viele Songs. Ich hab Favoriten von Monat zu Monat oder von Tag zu Tag, das ändert sich ständig. Momentan steh ich auf „That Golden Rule”, den live zu spielen macht im Moment so viel Spaß, die Leute schreien vor Begeisterung in der Mitte des Songs.
GETADDICTED: Was läuft bei Euch im Nightliner für Musik?
Ben: Bislang lief gar nicht soviel, wir haben unsere Zeit mehr mit Filmen und Playstationsspielen verbracht. Aber momentan hören wir alle sehr gerne das neue Album von Manchester Orchestra, eine Band aus Atlanta. Die werden mal ganz groß, in Deutschland beginnt das gerade erst, aber ja, Manchester Orchestra, unfassbar gut.
Orks und Tattoos
GETADDICTED: Ich sehe, Du hast dem Ork das Biffy-Clyro-Logo tätowiert, du selber trägst es. Haben Neil und James auch eins?
Ben: Ja, James hat es auf seinem Bein und Neil hat es, ich glaube hinterm Ohr oder so, Neil hat ungefähr eine Million Tattoos, da kommt man durcheinander.
GETADDICTED: Im Interview mit Dredg meinte deren Gitarrist, er würde sein Tattoo bereuen, da es in absehbarer Zeit beschissen aussehen wird. Wie stehst Du dazu?
Ben: Daran darfst Du nicht denken, wenn Du Dir ein Tattoo stechen lässt, er wird immer zu einem bestimmten Zeitpunkt beschissen aussehen. Es geht mehr darum, diesen Zeitpunkt in deinem Leben zu feiern, und die Gegenwart zu genießen. Man sollte sich nicht sorgen, irgendwann mal ein alter Mann mit Tattoos zu sein, weil das wird unweigerlich passieren.
GETADDICTED: Neil bringt in Kürze mit seinem Zweitprojekt Marmaduke Duke ein Album raus. Bist Du noch in anderen Bands aktiv?
Ben: Genau, das Album kommt Mitte Mai raus. Mein Bruder und ich unterstützen Marmaduke Duke bei Gigs als Livemusiker, sind aber nicht am Songwriting oder dem Aufnahmeprozess beteiligt.
GETADDICTED: Also gibt es kein eigenes Projekt?
Ben: Die wenige Zeit, in der es sich nicht um Biffy dreht, bin ich mit den Dukes unterwegs. Ich hab einfach nicht genug Zeit. Vielleicht irgendwann in der Zukunft, wenn ich mir mal ein eigenes Studio zusammengeschustert hab, aber momentan bin ich glücklich, meine Freizeit mit meiner Familie zu verbringen, Golf zu spielen oder das zu tun, wo ach mir die Nase steht.
(Quelle: www.getaddicted.org/)